"Blindenführhunde haben es schwer. Sie sind arm dran. Ständig müssen sie bei Herrchen oder Frauchen an der Leine gehen! Nie dürfen sie mit anderen Hunden spielen und herumtollen!"

Hardy rennt und es sieht aus, als wenn er fliegen würde!

Hardy trinkt aus einer Pfütze!

Hardy und Hatty im vollen Speed! Lisa schaut zu!

Warum halten sich diese Behauptungen nur so hartnäckig?

"Ja, das frage ich mich auch! Gestatten, mein Name ist Hardy und ich bin von Beruf "BLINDENFÜHRHUND!"
Ich führe mein Frauchen zur Arbeit, begleite sie auf Reisen, in Geschäfte, auf Märkte und einfach überall dorthin, wo sie gerne hin möchte. Es macht mir riesigen Spaß aufzupassen, dass mein Frauchen nirgends dagegenläuft, keinen Bordstein herunterstürzt und an Baustellen und auf dem Fußweg parkenden Autos sicher vorbeikommt! Was ist denn daran so schlimm und bedauernswert, dass ich arbeite und helfen kann? Wie viele meiner Artgenossen sitzen und langweilen sich den lieben langen Tag alleine zu Hause, weil Herrchen und Frauchen erst spät von der Arbeit kommen. Das wäre mir wirklich viel zu trostlos!
Klar, wenn ich arbeite, muss ich andere Vierbeiner links liegen lassen. Es wäre ja für mein Frauchen auch recht unpraktisch, wenn ich beim Führen andauernd meine Nase im Rinnstein hätte oder an Laternen herumschnüffeln würde. Zum Spielen, Toben, Rennen und Schnüffeln nutze ich ja meine Freizeit und davon bekomme ich reichlich, denn meine Chefin achtet sehr darauf, dass ich einen Ausgleich zu meiner verantwortungsvollen Arbeit habe!

Hardy schwimmt in einem sehr klaren Bergsee! Am Lago di Ledro 2005

Hardy und sein Freund Gabe kampeln und toben herum! Besuch von Gabe bei uns 2005

Hardy balanciert auf sehr hohen Holzbohlen!

Was wir beide alles so anstellen und erleben
Auf unseren täglichen Spaziergängen kann ich in aller Ruhe die neueste "Waldhundepost" lesen. Meistens hat Frauchen auch einen Kong oder Frisbee zum Spielen mit. Da geht's ordentlich zur Sache, wenn ich einem Spielzeug hinterher jage! Denn nur fliegen ist schöner! Im Sommer gehe ich auch gern baden, aber nur wenn Frauchen etwas zum Apportieren ins Wasser wirft. Und da bin ich schon bei einer meiner Lieblingsbeschäftigungen, dem Apportieren. Egal ob ich im Wald Bälle, Kongs, Stöckchen, Futterbeutel und Frisbee bringe oder mich in der Wohnung mit dem Herbeischaffen und Aufheben von z. B. Hausschuhen, Taschentuchpäckchen und heruntergefallenem Kleinkram nützlich mache, Hauptsache ich kann "bringen" und "aufheben!"
Am Samstagvormittag gehen wir immer zur Spielstunde auf den Hundeplatz. Da kann ich mich mal so richtig mit anderen Vierbeinern austoben, rennen und kampeln! Denn wenn wir im Wald auf andere Hunde treffen, werden sie immer gleich mit folgenden Worten an die Leine genommen oder zur Seite gezerrt: "Nein, mit dem darfst du nicht spielen, der muss arbeiten!" Ach so? Ich frage mich allerdings, wie ich "arbeiten" soll, wenn ich gerade im Gestrüpp stecke und meinen Ball suche, einen Frisbee aus der Luft fische oder weit hinterher bummele, weil ich noch schnell Zeitung gelesen habe? Nun, ich werde es mal erklären: Ich habe gelernt, Dienst von Freizeit zu unterscheiden. Im Dienst trage ich ein Führgeschirr und in der Freizeit eine Kenndecke oder auch nur ein Halsband wie jeder andere normale Hund auch.

Hardy mit Führgeschirr. Das Geschirr bedeutet Dienst!

Hardy im Portrait! 2006

Hardy mit Kenndecke. Dies bedeutet Freizeit!

Hundesport und Reiselust
Weiterhin sind wir begeisterte Fans von Hunde-Team-Rallyes = Hunde-Militarys. Kennengelernt haben wir diese Militarys bei unseren Freunden in der Schweiz, wo wir bis jetzt schon 3-mal zu Besuch gewesen sind und auch jedes Mal an Hunde-Militarys teilgenommen haben. In der Schorfheide findet seit 2004 einmal im Jahr eine Hunde-Team-Rallye statt. So eine Hunde-Team-Rallye = Hunde-Military besteht aus einem Geländemarsch durch Wald und Wiesen, über 8-10 km. Auf dieser Strecke sind verschiedene Posten verteilt, bei denen man Punkte sammelt. Die Aufgaben sind aus unterschiedlichen Bereichen, z. B. Obedience, Unterordnung, Schnüffelarbeit, Apportieren, Agility und Fragen für die Zweibeiner. Leider sind solche Militarys=Hunde-Team-Rallyes in unserer Gegend noch nicht verbreitet. Ähnlich geht es uns auch mit "Obedience", diese "Hohe Kunst der Unterordnung" durften wir 2005 bei meiner Wurfschwester Hatty kennenlernen. Trotz fehlender Trainingspartner versuche ich mich mit Frauchen an diesem echt tollen Sport.
Natürlich verreisen wir auch gern! Ich war mit Frauchen schon in Dänemark, am Gardasee, in der Schweiz im schönen Emmental, bei unseren Freunden in Hamburg und im herrlichen Thüringer Wald.
Und nun kommt das ALLERWICHTIGSTE: Seit Juni 2007 habe ich eine Spielgefährtin bekommen, eine Kurzhaarcolliedame namens "Katja". Das Tollste daran, Katja ist meine kleine Schwester! Sie und ihr Frauchen, das ist die Schwester meiner Chefin, sind jetzt oft mit uns gemeinsam unterwegs. Ob im Wald oder auf Reisen, zu viert macht es einfach doppelt so viel Spaß! Meinem Kumpel "Gabe" in Hamburg habe ich Katja im September 2007 vorgestellt und den Thüringer Wald haben wir zum Jahreswechsel 07/08 unsicher gemacht. Inzwischen ist Katja auch sehr spielfreudig geworden, was mir hin und wieder gar nicht so passt! Da muss ich immer mein Frisbee oder meinen Kong hergeben! Aber als großer Bruder lässt man der kleinen Schwester eben manches durchgehen!
Mit diesem Bericht hoffe ich, etwas "Licht in das Freizeit-Dunkel" eines Blindenführhundes gebracht zu haben.
Es wufft herzlich - Hardy!"

Hardy, Katja und Gabe sitzen brav neben einem Wildschwein aus Bronze. Ausflug Wildpark Hamburg 2007

Dorit mit Katja. Besuch Hamburg 2007

Hardy und Katja sitzen im Schnee nebeneinander und schauen in entgegengesetzte Richtungen! Winterurlaub 2008

© Copyright Text/Design by Berit & Dorit Wagner - Textkorrektur mit freundlicher Unterstützung von M. Peiler - © Copyright Fotos Dorit Wagner - Roswitha Krüger - Marion Heyer - Anke Pahlke

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