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Hardy, ein Kurzhaarcollierüde, ist mein zweiter Blindenführhund. Er kam
Ende Mai 2003 zu mir und übernahm Rustys verantwortungsvolle Aufgaben.
Täglich kämpfen wir uns durch den "Großstadtdschungel", mit
seinen Schilderwäldern, Aufstellern, spontan auftauchenden Baustellen und auf
dem Fußweg parkenden Autos. Aber nicht nur das Ausweichen vor Verkehrsschildern
und Umgehen von Baustellen gehört zu seinen Aufgaben. Hardy zeigt Ampeln, Bordsteine,
Zebrastreifen, Eingänge, Briefkästen, Treppen und vieles mehr an. Dabei spielt
es keine Rolle, ob die Gegend fremd für uns ist. Um zum Beispiel eine Parkbank
oder einen Sitzplatz im Bus oder in der Straßenbahn zu finden, gebe ich ihm folgendes
Hörzeichen: "Such Bank!" Hat er einen freien Platz gefunden,
setzt er sich davor hin, mit Nase in Richtung der Sitzmöglichkeit.
Für die Vielfältigkeit seiner Aufgaben nutze ich die verschiedensten Kommandos/Hörzeichen:
"Such Briefkasten!" Um das auszuführen, muss natürlich erst
einmal solch ein gelber Kasten noch vorhanden sein!
"Such Ampel!" Dabei zeigt Hardy Ampeln mit und ohne Drücker an!
"Linke Seite - Rechte Seite!" Das ist zum Beispiel bei Bahnsteigen
erforderlich!
"Such Eingang!" Hier ist es egal, ob das Eingänge von Geschäften,
Bussen, Bahnen, Haustüren, Toreinfahrten und auch Drehtüren sind!
"Such Ausgang!" Für mich sehr nützlich, um in unübersichtlichen
Einkaufspassagen, Geschäften und Bahnhöfen hinauszufinden!
"Such Aufzug!" Dies ist zum Beispiel in Kauf- und Wohnhäusern,
U-Bahnstationen und auch wiederum auf Bahnhöfen äußerst praktisch,
als Rolltreppenersatz!
"Such Schalter!" Das gilt beispielsweise für Ladenkassen, Fahrkartenschalter(Bahnhof).
"Such Weg!" Das ist ein "ALL ROUND-Hörzeichen", um
zum Beispiel an parkenden Autos vorbeizukommen, die den Fußweg blockieren! Ebenso
wichtig ist es zum sicheren Umgehen von Baustellen, eben allen Hindernissen, die unseren
Weg versperren! Hardy sucht dann nach einer Umgehungsmöglichkeit. Ist dies OHNE
ein Betreten der Fahrbahn möglich, entscheidet er selbständig, wo wir beide
vorbei passen. Ist ausreichend Platz, geht er zügig an einem Hindernis vorbei.
Ist nur wenig Platz, stoppt er kurz und signalisiert mir damit, ACHTUNG! Hier wird
es schmal! Einen Straßenseitenwechsel schlägt er bei "totaler"
Blockierung des Fußweges vor. Dafür geht er mit mir an den Bordstein und
bleibt stehen.
Bei der Überquerung einer Straße übernehme ich das KOMMANDO. Hier entscheide
ich durch mein Gehör, wenn wir loslaufen können. Erst nach dem Hörzeichen
"VORAN", überqueren wir die Straße. Hardy weiß genau,
wenn Frauchen kein Kommando gibt, geht es auch nicht los! Er würde nicht ohne
Aufforderung einfach die Fahrbahn betreten. Darauf kann ich mich verlassen!
Die obige Hörzeichenliste ist nicht komplett. Alle aufzulisten würde diesen
Text enorm verlängern.
Für mich ist es eine riesige Unterstützung und ein wesentlicher Teil meiner
Selbständigkeit, einen solchen Freund und Helfer an meiner Seite zu haben.
Natürlich kann mir Hardy nicht in jeder Situation behilflich sein, beispielsweise
bei Straßenbahn- und Hausnummern. In solchen Situationen bin ich auf die Hilfe
der Leute angewiesen. Leider denken manche Mitmenschen: "Die junge Frau hat ja
einen Führhund." Doch diese Meinung hilft uns nicht weiter, denn kein Hund,
auch kein Blindenführhund, hat gelernt, Zahlen zu lesen. Viele Menschen fürchten
sich oder sind unsicher, eine blinde Person anzusprechen, welche auch noch einen HUND
dabei hat.
Für angebotene Hilfe sind wir sehr dankbar, deshalb hier noch ein Tipp für
hilfsbereite Mitmenschen:
Möchten Sie einem blinden Menschen mit oder ohne Führhund behilflich sein,
dann sprechen Sie ihn bitte erst an und fragen, ob Ihre Hilfe benötigt wird. Dies
ist höflicher und angebrachter, als einfach zuzufassen. Es ist für eine blinde
Person sehr unangenehm, wortlos irgendwo hin gebracht zu werden, ohne gefragt worden
zu sein.
Besonders wichtig bei der Hilfe für einen blinden Menschen mit Führhund
ist folgender Hinweis:
Bitte niemals, auch nicht aus gut gemeinter Fürsorge, ins Führgeschirr des
Hundes greifen! Es wäre genau so, als wenn Sie einem Autofahrer ins Lenkrad fassen!
Dadurch kann der Blindenführhund sehr verunsichert werden und er könnte Fehler
begehen, die das GESPANN in Gefahr bringen! |